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LIBANON 1995
Anfang September 1995 nutze ich die Gelegenheit um in
den Libanon zu reisen. Freunde von mir hatten eine Arbeit angenommen die
sie für einige Jahre in dieses Land brachte.

Man braucht als Einzelreisender eine Einladung um ein
Visum zu bekommen. Diese Reise führte mich das erste Mal in meinem Leben
in eine völlig andere Kultur. Ein Airbus der Fluggesellschaft MEA bringt
mich in knapp vier Stunden von Berlin Schönefeld nach Beirut. Ich habe
noch nie so viele Kinder in einem Flugzeug gesehen. Europäer sind klar
in der Minderheit.
Auf dem Beiruter Flughafen werde ich nach der offiziellen Paßkontrolle
von Zivilisten drei-, viermal nach meinem Paß gefragt, ehe ich den Ausgang
erreiche. Dann bin ich in einem Land in dem noch vor kurzer Zeit ein Bürgerkrieg
tobte und das ist auch nicht zu übersehen. Zum Glück erwarten mich schon
meine Gastgeber.

Beirut am Abend. Meine Gastgeber wohnen in Zahlah. Das
bedeutet eine Autofahrt über das Libanon Gebirge. Es gibt einige Straßenkontrollen.
Kommt eine Straßensperre in Sicht macht man das Licht im Auto an, legt
die Hände sichtbar auf das Armaturenbrett und hält den Reisepaß bereit.

Zahlah liegt in der Bekaebene und ist mehr christlich
geprägt. Tagsüber sind über 30Grad im Schatten. Die Luft ist aber trocken.

An einigen Häusern ranken sich Weintrauben hoch.

Es gibt viele kleine Geschäfte in denen man praktisch
alles kaufen kann. Neben arabisch sprechen viele Leute englisch. Ich kann
leider beides nicht.

Das Hotel Monte Alberto.

Vom drehenden Restaurant aus mache ich die Nachtaufnahme.
Die helle Spitze in der Ferne ist eine Maria Statue.

Von dort entstand die obere Aufnahme in Richtung des
Hotels.

Übers Wochenende fahren wir nach Beirut. 20Km entfernt,
in Jounieh am Mittelmeer, haben wir ein Apartment im Hotel Samar zur Verfügung.
Das Hotel bietet allen Komfort. An der Küste ist es genauso warm wie in
der Ebene aber die Luftfeuchtigkeit macht mir zu schaffen. Über den Bergen
bilden sich Wolken und man denkt, gleich beginnt es zu regnen. Aber nichts
passiert und am Abend leuchten die Sterne. In der Nacht ist es recht laut.
Vor dem Hotel rattern die Stromgeneratoren, im Zimmer die Klimaanlage.

Beirut ist teilweise schwer vom Bürgerkrieg gezeichnet.
Aber überall pulsiert das Leben der 1,5Millionen Einwohner. An vielen
Stellen wird gebaut. Der Verkehr ist so dicht wie in vielen Großstädten.
Es gibt aus meiner Sicht übrigens nur eine Verkehrsregel, nämlich das
es keine Regel gibt. Wenn sich Alle daran halten funktioniert es. Jedenfalls
findet man kaum Verkehrszeichen. Auffallend sind die vielen Goldläden.
Man kann hier Goldschmuck zum reinen Goldpreis kaufen.

In der Innenstadt von Beirut. Hier gibt es unzählige
Geschäfte. Es sind viele Leute unterwegs. Man kann mit US$ bezahlen. Ich
habe schöne, fast neue 100U$ Scheine von meiner Sparkasse bekommen. Das
scheint den Händlern nicht so zu gefallen. Jeder Schein wird mißtrauisch
geprüft. So erfahre ich nebenbei das amerikanische 100$ Noten zu den am
meisten gefälschten Geldscheinen gehören. Ist ein Händler von der Echtheit
überzeugt, macht er ein Zeichen auf dem Schein. Je mehr Zeichen ein Schein
hat und je mehr zerknittert er ist, um so leichter wird man ihn wieder
los.

Die Taubengrotten im Mittelmeer vor Beirut.

Mit einer Seilbahn fahren wir am Nachmittag 600m hinauf
nach Harissa. Hier befindet sich Notre Dame du Liban mit einer großen
Maria Statue.

Man hat einen weiten Blick über die Bucht von Jounieh
nach Beirut...

... und über das Libanon Gebirge.

In Jounieh. Viele Hotels, Restaurants und Läden.

Uralte Werkstätten und moderne Autohäuser

Die ganze Bucht am Mittelmehr ist besiedelt.

Der Hafen von Jubayl (Byblos). Diese Hafenstadt gilt
als die älteste, ununterbrochen bewohnte Stadt der Welt. Hier lebt man
vom Fischfang und jetzt auch wieder von den Touristen. Es gibt sehr viele
Andenkenläden. Die Innenstadt hinterläßt einen gepflegten Eindruck. Am
Abend wird ein großes Fest gefeiert. Es gibt Essen und Trinken (auch Alkohol)
ohne Ende. Dazu Musik von Livebands. Auf den Hafenmauern patrouillieren
Soldaten.

Ich habe Gelegenheit einheimische Familien kennenzulernen.
Gastfreundschaft wird großgeschrieben. Es ist schade das meine Sprachkenntnisse
mehr als bescheiden sind.

Baalbek ist mehr eine moslemische Stadt. Vor den Tempelanlagen
parken Reisebusse aus Syrien.

In Baalbek besichtigen wir den -Tempel des Jupiter-,
auch bekannt als -die Ruinen von Baalbek-. Es ist eindrucksvoll, was die
Menschen schon vor über 2000 Jahren erschaffen haben. In dem Tempel findet
man die größten, von Menschenhand hergestellten, -Mauersteine-.

Einer ist aus unerfindlichen Gründen übriggeblieben und
somit ein schönes Fotoobjekt.

Für ein paar Dollar kann man auf Kamelen reiten. Ich
traue mich aber nicht.
Die Urlaubstage vergehen schnell. Mit Souvenirs, libanesischem
Wein und Schnaps mache ich mich auf den Heimweg. Auf dem Flughafen in
Beirut werde ich vom Zoll kontrolliert (ich werde immer und überall kontrolliert).
Der Flug startet mit Verspätung, verläuft aber ohne Probleme.
Als ich in Berlin aussteige fühle ich mich wie im Winter, obwohl es erst
Anfang September ist. Es braucht einige Zeit die Eindrücke dieser Reise
zu verarbeiten.
M.L. 1995
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