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NOSTALGIE IN ELEKTRONIK
NF-Verstärker HV20
Jeder, der sich für Elektronik interessiert,
baut mal einen NF Verstärker. So war das auch bei mir. Ich habe irgendwann
mit einfachen Röhrenverstärkern angefangen und später wurden es dann Stereoverstärker
mit Halbleitern.

Ich habe heute keinerlei Unterlagen mehr
von meinen Selbstbaugeräten. Die Möglichkeiten der heutigen Dokumentenerstellung
waren damals, für mich privat, praktisch nicht vorhanden. Etwas wie ein
Computer und gar ein Drucker, was war das? Ich habe einige Geräte verkaufen
können und davon überwiegend mein Hobby finanziert. Ich weiß wenig darüber,
was aus den Geräten geworden ist. Deshalb war ich sehr überrascht, als
ein alter Bekannter einen, von mir mal gebauten, Stereo Verstärker in
seinem Keller aufbewahrte. Eigentlich gehe ich davon aus, das solche Geräte
längst den Weg auf die Müllhalde gefunden haben. Interessant ist für mich
der Zustand von solch einem alten Teil und ob das womöglich sogar noch
funktioniert. In diesem Beitrag kann man die Ergebnisse nachlesen.

Dieser Stereo Verstärker entstand etwa zwischen
1978 und 1980, genauer weiß ich das nicht mehr. In dieser Zeit habe ich
einige Verstärker gebaut. Solche Geräte waren seinerzeit in meiner Gegend
sehr teuer, schlecht zu bekommen und deshalb ein gutes Bauobjekt. Die
Besonderheit an diesem Gerät war, daß es durchgehend mit Siliziumtransistoren
aufgebaut wurde. Die Endstufen sind vom Typ KUY12. Der Schaltplan ist
nicht mehr vorhanden, aber es ist eine zu dieser Zeit übliche Standardschaltung.
Das Gerät wurde in vier Baugruppen geteilt:
1. Vorverstärker mit Eingangswahltasten und
Anpassung
2. Klangregler mit gehörrichtiger Lautstärkeregelung
3. Endstufen
4. Netzteil
Die Abmessungen des Fertiggerätes: Breite
380mm Höhe 95mm Tiefe 255mm
Für das Chassis hatte ich 10mm Aluprofile
und 1mm Alublech benutzt. Das Gehäuse besteht aus einfachem Speerholz,
das ursprünglich mit Holztapete beklebt war und später mit schwarzer Farbe
überstrichen wurde. Viele Löcher oben und unten sorgen für die Lüftung.
Ein- und Ausgangsbuchsen wurden mit DIN Buchsen bestückt. An der Frontseite
ist eine damals übliche Europa Kopfhörerbuchse vorhanden. Als Besonderheit
waren vier Lautsprecherbuchsen vorgesehen. So konnte man zusätzlich zwei
Lautsprecher anschließen, die hinter dem Hörer aufgestellt wurden und
die Illusion von Raumklang bei guten Stereo Aufnahmen erzeugten. Die Endstufen
leisten an 4Ohm Lastwiderstand gut 10W Sinus pro Kanal. Allerdings nicht
ewig. Dazu sind die Kühlkörper und der Netztrafo zu klein dimensioniert.
Der Netztrafo ist übrigens selbst gewickelt. Die Bilder zeigen den Aufbau
des Gerätes.

Nach mehr als 20 Jahren ist das Gerät aus
meiner Sicht gut erhalten. Der Netztrafo hat gelitten. Zu dieser Zeit
wurden die Bleche einseitig isoliert beschichtet und ich hatte keine Möglichkeit
den fertigen Trafo tränken zu lassen. Von Korrosion befallen sind auch
einige Schrauben und die Tandem Potentiometer. Diese Potientometer waren
nicht leicht zu beschaffen. Für die Balance Regelung hatte ich deshalb
ein einfaches Poti mit Mittelanschluß an Masse eingesetzt.
Die Aussteuerungsanzeige hatte ich nachträglich
auf einem Stück Universial Leiterplatte eingebaut. Die Leiterplatte der
Endstufe besteht aus Epoxydharz. Das war damals, für einfache Sterbliche
wie mich, etwa wie Goldstaub.

Ich habe die Leiterplatten auf Millimeterpapier
entworfen und dann die Bohrungen 1:1 auf die Platte mit einem Stechzirkel
übertragen. Dann habe ich die Platinen mit Ziehfeder, Lineal und verdünntem
Nitrolack gezeichnet. Packungsdichten wie heute waren da nicht möglich.
War die Platine fertig und geprüft, wurde sie in Spiritus gewaschen und
mit, in Spiritus gelöstem, Kolophonium eingepinselt. Das hat sich offensichtlich
bewährt und ich nutze dieses Verfahren wirklich heute noch. Probleme bereiteten
Erdschleifen. Ich habe versucht, mit einem Oszi, den besten Erdungspunkt
herauszufinden. Auf den Bildern erkennt man diesen am Netztrafo.

Die Frontplatte besteht aus 1mm Aluminium.
Das Metall hatte ich aus dem Abfall bekommen und mit Sandpapier geschliffen.
Die Beschriftung erfolgte mit Abreibebuchstaben. Anschließend wurde das
Ganze mit farblosem Nitrolack aus der Spraydose eingesprüht. Dieser Lack
löste die Buchstaben auf. Deshalb ist die Schicht sehr dünn und heute
sehr empfindlich.

Ob der Verstärker noch arbeitet? Ich habe an einen Eingang den
Kopfhörer Ausgang von einem Walkman angeschlossen. Nach dem Einschalten
kam erstmal nur aus dem rechten Lautsprecher Musik. Die Potis kratzten
fürchterlich. Wird der Bassregler Richtung Maximum gedreht, beginnt der
Lautsprecher zu schwingen. Die Ursachen waren schnell gefunden. Drei Elkos
mußten gewechselt werden. Dieser Typ war seinerzeit schon bekannt dafür
Kurzschlüsse zu verursachen. Das Kratzen der Potis konnte mit etwas Kontaktspray
fast beseitigt werden. Ansonsten kann man auch heute noch mit diesem Verstärker
die Nachbarn ärgern.

Abschließend muß ich sagen, das es mich beim
Schreiben dieses Beitrages selbst überrascht, was man, mit relativ geringen
Mitteln, so gebaut hat. Wenn ich heute so zurückdenke, frage ich mich
immer wieder, wie und wann ich die Zeit dafür gefunden habe.
M.L. 02/2002
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