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08. 09. 2010

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NOSTALGIE IN ELEKTRONIK

NF-Verstärker HV20

Jeder, der sich für Elektronik interessiert, baut mal einen NF Verstärker. So war das auch bei mir. Ich habe irgendwann mit einfachen Röhrenverstärkern angefangen und später wurden es dann Stereoverstärker mit Halbleitern.

Selbstbau NF Verstärker

Ich habe heute keinerlei Unterlagen mehr von meinen Selbstbaugeräten. Die Möglichkeiten der heutigen Dokumentenerstellung waren damals, für mich privat, praktisch nicht vorhanden. Etwas wie ein Computer und gar ein Drucker, was war das? Ich habe einige Geräte verkaufen können und davon überwiegend mein Hobby finanziert. Ich weiß wenig darüber, was aus den Geräten geworden ist. Deshalb war ich sehr überrascht, als ein alter Bekannter einen, von mir mal gebauten, Stereo Verstärker in seinem Keller aufbewahrte. Eigentlich gehe ich davon aus, das solche Geräte längst den Weg auf die Müllhalde gefunden haben. Interessant ist für mich der Zustand von solch einem alten Teil und ob das womöglich sogar noch funktioniert. In diesem Beitrag kann man die Ergebnisse nachlesen.

Ohne Gehäuse

Dieser Stereo Verstärker entstand etwa zwischen 1978 und 1980, genauer weiß ich das nicht mehr. In dieser Zeit habe ich einige Verstärker gebaut. Solche Geräte waren seinerzeit in meiner Gegend sehr teuer, schlecht zu bekommen und deshalb ein gutes Bauobjekt. Die Besonderheit an diesem Gerät war, daß es durchgehend mit Siliziumtransistoren aufgebaut wurde. Die Endstufen sind vom Typ KUY12. Der Schaltplan ist nicht mehr vorhanden, aber es ist eine zu dieser Zeit übliche Standardschaltung. Das Gerät wurde in vier Baugruppen geteilt:

1. Vorverstärker mit Eingangswahltasten und Anpassung
2. Klangregler mit gehörrichtiger Lautstärkeregelung
3. Endstufen
4. Netzteil

Die Abmessungen des Fertiggerätes: Breite 380mm Höhe 95mm Tiefe 255mm

Für das Chassis hatte ich 10mm Aluprofile und 1mm Alublech benutzt. Das Gehäuse besteht aus einfachem Speerholz, das ursprünglich mit Holztapete beklebt war und später mit schwarzer Farbe überstrichen wurde. Viele Löcher oben und unten sorgen für die Lüftung. Ein- und Ausgangsbuchsen wurden mit DIN Buchsen bestückt. An der Frontseite ist eine damals übliche Europa Kopfhörerbuchse vorhanden. Als Besonderheit waren vier Lautsprecherbuchsen vorgesehen. So konnte man zusätzlich zwei Lautsprecher anschließen, die hinter dem Hörer aufgestellt wurden und die Illusion von Raumklang bei guten Stereo Aufnahmen erzeugten. Die Endstufen leisten an 4Ohm Lastwiderstand gut 10W Sinus pro Kanal. Allerdings nicht ewig. Dazu sind die Kühlkörper und der Netztrafo zu klein dimensioniert. Der Netztrafo ist übrigens selbst gewickelt. Die Bilder zeigen den Aufbau des Gerätes.

Draufsicht

Nach mehr als 20 Jahren ist das Gerät aus meiner Sicht gut erhalten. Der Netztrafo hat gelitten. Zu dieser Zeit wurden die Bleche einseitig isoliert beschichtet und ich hatte keine Möglichkeit den fertigen Trafo tränken zu lassen. Von Korrosion befallen sind auch einige Schrauben und die Tandem Potentiometer. Diese Potientometer waren nicht leicht zu beschaffen. Für die Balance Regelung hatte ich deshalb ein einfaches Poti mit Mittelanschluß an Masse eingesetzt.

Die Aussteuerungsanzeige hatte ich nachträglich auf einem Stück Universial Leiterplatte eingebaut. Die Leiterplatte der Endstufe besteht aus Epoxydharz. Das war damals, für einfache Sterbliche wie mich, etwa wie Goldstaub.

Netzteil

Ich habe die Leiterplatten auf Millimeterpapier entworfen und dann die Bohrungen 1:1 auf die Platte mit einem Stechzirkel übertragen. Dann habe ich die Platinen mit Ziehfeder, Lineal und verdünntem Nitrolack gezeichnet. Packungsdichten wie heute waren da nicht möglich. War die Platine fertig und geprüft, wurde sie in Spiritus gewaschen und mit, in Spiritus gelöstem, Kolophonium eingepinselt. Das hat sich offensichtlich bewährt und ich nutze dieses Verfahren wirklich heute noch. Probleme bereiteten Erdschleifen. Ich habe versucht, mit einem Oszi, den besten Erdungspunkt herauszufinden. Auf den Bildern erkennt man diesen am Netztrafo.

Leiterplatten

Die Frontplatte besteht aus 1mm Aluminium. Das Metall hatte ich aus dem Abfall bekommen und mit Sandpapier geschliffen. Die Beschriftung erfolgte mit Abreibebuchstaben. Anschließend wurde das Ganze mit farblosem Nitrolack aus der Spraydose eingesprüht. Dieser Lack löste die Buchstaben auf. Deshalb ist die Schicht sehr dünn und heute sehr empfindlich.

Regler Baugruppe

Ob der Verstärker noch arbeitet? Ich habe an einen Eingang den Kopfhörer Ausgang von einem Walkman angeschlossen. Nach dem Einschalten kam erstmal nur aus dem rechten Lautsprecher Musik. Die Potis kratzten fürchterlich. Wird der Bassregler Richtung Maximum gedreht, beginnt der Lautsprecher zu schwingen. Die Ursachen waren schnell gefunden. Drei Elkos mußten gewechselt werden. Dieser Typ war seinerzeit schon bekannt dafür Kurzschlüsse zu verursachen. Das Kratzen der Potis konnte mit etwas Kontaktspray fast beseitigt werden. Ansonsten kann man auch heute noch mit diesem Verstärker die Nachbarn ärgern.

Alter, defekter Elko

Abschließend muß ich sagen, das es mich beim Schreiben dieses Beitrages selbst überrascht, was man, mit relativ geringen Mitteln, so gebaut hat. Wenn ich heute so zurückdenke, frage ich mich immer wieder, wie und wann ich die Zeit dafür gefunden habe.

M.L. 02/2002

Meine große Liebe hat mich verraten, als ich 13 war. Jetzt liebe ich Jesus. Ich habe alles, was ich brauche.

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Aktualisierung:
06.07.2009

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