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08. 09. 2010

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TERMINALEMULATION

Vor langer Zeit in einer Galaxis weit, weit entfernt...

... waren Computer Apparate, die in großen Gebäuden mehrere, klimatisierte Stockwerke füllten und von einem ganzen Stab von Wartungspersonal beaufsichtigt wurden. An diese Computer waren Fernschreiber angeschlossen. Man konnte auf der Fernschreibtastatur die Befehle eingeben und der Fernschreiber druckte auf einem Papierstreifen die Antwort. In diesen Zeiten kostete eine Stunde Zugriff auf den Computer etwa 40US$, was seinerzeit eine Menge Geld war.
Der Vorteil des Fernschreibers war, das die Zeichen seriell übertragen wurden. So waren nur drei Leitungen zwischen dem Fernschreiber und dem Computer notwendig: Sender, Empfänger und Erde. Später wurde dann der Papierstreifen durch einen Bildschirm ersetzt. Diese Geräte nannte man TERMINAL (deutsch: Ein- u. Ausgabeeinheit einer EDV-Anlage).

Heute kann Jedermann einen Computer zu Hause haben. Computer sind so billig, das sie an vielen Arbeitsplätzen herumstehen. Viele Computer sind über Netzwerke miteinander verbunden. Da braucht man doch eigentlich kein Terminal mehr? Trotzdem findet sich auf den meisten Computern mit den unterschiedlichsten Betriebssystemen ein Programm, das so ein Terminal auf einem Computer nachbildet (eng. Terminalemulation). Diese Programme heißen z. B. PROCOMM, TELIX, TERMINAL, MINITERM oder HYPERTERM. Sie haben oft einen sehr unterschiedlichen Funktionsumfang. Aber allen Programmen ist eines gemeinsam: Sie verbinden Computer über die serielle Schnittstelle; direkt oder mit Hilfe eines Modem über die Telefonleitung.

Der an anderer Stelle dieser Webseite beschriebene Minicomputer C-Control kann über seine serielle Schnittstelle Zeichen ausgeben, welche dann mit einem Terminalprogramm angezeigt werden. Es gibt, besonders in der Industrie, viele Computer die weder Tastatur noch Bildschirm haben und nur über ein Terminal zu bedienen sind. Die Einstellungen und die Bedienung einer Terminalemulation sind für Windows- und WWW- Clicker oft verwirrend. Anhand des Programms HYPERTERM unter Windows 98 beschreibe ich hier die grundlegende Vorgehensweise um zwei Computer direkt über die serielle Schnittstelle (COM) zu verbinden, damit Daten ausgetauscht werden können. Man kann grundsätzlich jedes Terminalprogramm benutzen. Dazu muß man nur herausfinden, wie die einzelnen Einstellungen vorzunehmen sind.

Ich benutze in diesem Beispiel einen PC mit freier COM2 und ein Notebook mit freier COM1. Beide Computer werden an den freien COM durch ein NULLMODEM Kabel verbunden. Es gibt im Prinzip zwei Sorten von seriellen Kabeln für die COM am PC: NULLMODEM und MODEM.
Ein Modemkabel verbindet ein Modem mit der COM. Die Anschlüsse sind 1:1 durchgeschaltet.
Ein Nullmodemkabel verbindet zwei COM miteinander und deshalb werden die Anschlüsse gekreuzt, damit die Sendeleitung mit der Empfängerleitung verbunden wird.
Ich benutze grundsätzlich handelsübliche vergossene Kabel. Ein Set enthält das 3m lange Kabel mit 9poliger SubD sowie zwei Steckerwandler von 9polig auf 25polig SubD.
Man kann die Kabel natürlich selbst herstellen. Die Erfahrung zeigt aber, das das Kabel oft die Ursache für Probleme ist. Ein gutes Kabel kann etwa 25m lang sein. Eine PC COM Schnittstelle hat neben Sender (TX), Empfänger (RX) und Erde (GND) noch einige andere Signalleitungen. Die Nutzung dieser Leitungen sind je nach Anwendung unterschiedlich. In unserem Fall werden diese Leitungen zur Flußsteuerung benutzt um die höchste Übertragungsgeschwindigkeit zu erreichen. Deshalb muß beim Kauf eines Kabels darauf geachtet werden, das alle Anschlüsse verkabelt sind.
Im Gegensatz dazu braucht man für die Verbindung mit einer C-Control tatsächlich nur drei Leitungen: RX, TX, GND.

Unter Windows 98 heißt die mitgelieferte Terminalemulation HYPERTERM. Gestartet wir das Programm mit <Start><Ausführen><hypertrm>. Das erscheinende Fenster schließen wir mit <Abbrechen>. Jetzt haben wir ein leeres Fenster mit einem blinkenden Cursor. Unter <Datei><Eigenschaften> stellen wir folgendes ein:

Bild1

Bild2

Mit <Datei><Speichern> werden unsere Einstellungen unter einem Namen (z.B.: probe) gespeichert. Danach schließen wir das Programm Hyperterm. Wichtig: Die Einstellungen auf beiden Computern müssen gleich sein mit Ausnahme der gewählten COM. Dort muß natürlich immer die benutzte Schnittstelle angegeben werden. Mit <Start><Ausführen><hypertrm> starten wir das Programm erneut. Das erscheinende Fenster schließen wir mit <Abbrechen>. Wir haben wieder unser leeres Fenster mit einem blinkenden Cursor. Unter <Datei><Öffnen> sollte jetzt unsere <Probe> zu finden sein. Wenn wir unsere <Probe> auf beiden Computern geöffnet haben, die Einstellungen richtig sind und das Nullmodemkabel in Ordnung und an den richtigen COM angeschlossen ist, dann werden Tastatureingaben an einem Computer am Bildschirm des anderen Computers ausgegeben. Hat man es bis hier geschafft, kann man sich mit den Eigenheiten von Terminalemulationen vertraut machen. Die vorgenommenen Einstellungen bilden die Grundlage und jedes Terminalprogramm bietet an sie zu ändern. Wo und wie muß man bei den verschiedenen Programmen selbst herausfinden. Besonders wichtig ist, das die Einstellungen auf den verbundenen Computern gleich sind. Wenn auf einem Computer Einstellungen nicht möglich sind (z.B: Baudrate nur 300) muß man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Im folgenden gibt es einige Hinweise zu den weiteren Einstellmöglichkeiten. Diese Hinweise beziehen sich auf Hyperterm treffen aber meistens auch auf andere Terminalprogramme zu. Viele Eigenheiten sind historisch entstanden und man kann darüber ganze Bücher schreiben.

Das ist, was wir gerade machen. Man tippt auf der Tastatur und der Bildschirm des anderen Rechners zeigt es an. Auf dem eigenen Bildschirm ist nichts zu sehen ;-(. Die ENTER Taste bringt den Cursor nur an den Zeilenanfang. Unter <Datei><Eigenschaften><Einstellungen><ASCII-Konfiguration> einstellen:

Bild3

Die Umlaute werden nicht richtig angezeigt. Unter <Ansicht><Schriftart> einstellen:

Bild4

Der Zeichenpuffer von Terminalemulationen ist begrenzt. Wird der Speicherbereich überschritten, geht was zuerst empfangen wurde verloren. Deshalb bietet Hyperterm an, die Zeichen in eine Datei zu schreiben oder am Drucker auszugeben. Die Einstellungen findet man unter <Übertragung>. Dort kann man auch ganze Textdateien versenden. Diese werden dann komplett am Bildschirm des Empfangscomputers ausgegeben. Bei all diesen Übertragungen sollte es sich um reinen Text handeln. Enthält der Text Steuerzeichen kann es zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen. Das ist auch abhängig von der Art der Emulation. Wir haben bisher die automatische Erkennung genutzt und Hyperterm hat sich für ANSI entschieden.

Bild5

Wenn möglich sollte man diese Einstellung beibehalten. Sonst muß man sich wieder auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Kopieren und Einfügen geht gut über das Menü oder die rechte Maustaste. Die Windows Tastaturbefehle haben keine Bedeutung oder zeigen unerwartete Reaktionen. Wie Bild5 zeigt, sind die Tastaturbefehle dem Terminal zugeordnet und haben andere Funktionen. Das ist historisch bedingt.

Will man eine Datei unverändert übertragen ist der Textmodus ungeeignet. Text ist nur eine Teilmenge eines 8Bit Datenwortes. In einer beliebigen Datei können aber alle Zeichen (256) eines 8Bit Datenwortes vorkommen. Es sind also z.B. auch Steuerzeichen enthalten die ein Terminal zur Textübertragung nutzt und andere Zeichen mit denen ein Terminalprogramm überhaupt nichts anfangen kann. Wenn man z.B versucht eine *.EXE Datei an ein Terminalprogramm direkt zu übertragen wird man im besten Fall Zeichensalat und im schlechtesten Fall einen Programmabsturz erleben.

Mit den Funktionen <Datei senden> und <Datei empfangen> im Menü <Übertragung> kann man Dateien im Original übertragen. Dazu muß ein Computer auf senden und der andere Computer auf empfangen eingestellt werden. Man stellt den Empfänger zuerst auf <Datei empfangen> und gibt den Speicherpfad an. Dann wird der Sender auf <Datei senden> eingestellt, die zu sendende Datei ausgewählt und beide Prozesse werden gestartet. Dabei wird ein Übertragungsprotokoll verwendet das auf beiden Rechnern identisch sein muß. Hyperterm bietet voreingestellt <Zmodem> an.
Bei der Auswahl der Protokolle braucht es etwas Erfahrung. Wenn es zu unerwarteten Abbrüchen kommt sollte man ein anderes Protokoll verwenden. Für schwierige Fälle eignet sich das Protokoll <Kermit>. Allerdings ist die Übertragung langsam. Den Übertragungsvorgang kann man am Bildschirm verfolgen.
Mit diesem Verfahren kann man Dateien beliebiger Größe ohne Zusatzsoftware, Netzwerk, Disketten, nur mit einem einfachen Kabel zwischen beliebigen Computern austauschen. Um die Übertragung zu beschleunigen kann die Baudrate der COM heraufgesetzt werden. Zusätzlich stellt man bei <Protokoll> <Hardware> ein (Bild2). Die Bitrate kann bei heutigem Standard PC auf 115200 eingestellt werden. Mit diesem Wert benötigt eine 10Mbyte große Datei etwa 11 Minuten. Wichtig ist wieder das beide Computer und Terminalprogramme auf den gleichen Wert eingestellt sind.

 

 

 

 

Meine große Liebe hat mich verraten, als ich 13 war. Jetzt liebe ich Jesus. Ich habe alles, was ich brauche.

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Aktualisierung:
06.07.2009

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