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TERMINALEMULATION
Vor langer Zeit in einer Galaxis weit,
weit entfernt...
... waren Computer Apparate, die in großen Gebäuden mehrere,
klimatisierte Stockwerke füllten und von einem ganzen Stab von Wartungspersonal
beaufsichtigt wurden. An diese Computer waren Fernschreiber angeschlossen.
Man konnte auf der Fernschreibtastatur die Befehle eingeben und der Fernschreiber
druckte auf einem Papierstreifen die Antwort. In diesen Zeiten kostete
eine Stunde Zugriff auf den Computer etwa 40US$, was seinerzeit eine Menge
Geld war.
Der Vorteil des Fernschreibers war, das die Zeichen seriell übertragen
wurden. So waren nur drei Leitungen zwischen dem Fernschreiber und dem
Computer notwendig: Sender, Empfänger und Erde. Später wurde dann der
Papierstreifen durch einen Bildschirm ersetzt. Diese Geräte nannte man
TERMINAL (deutsch: Ein- u. Ausgabeeinheit einer EDV-Anlage).
Heute kann Jedermann einen Computer zu Hause haben.
Computer sind so billig, das sie an vielen Arbeitsplätzen herumstehen.
Viele Computer sind über Netzwerke miteinander verbunden. Da braucht man
doch eigentlich kein Terminal mehr? Trotzdem findet sich auf den meisten
Computern mit den unterschiedlichsten Betriebssystemen ein Programm, das
so ein Terminal auf einem Computer nachbildet (eng. Terminalemulation).
Diese Programme heißen z. B. PROCOMM, TELIX, TERMINAL, MINITERM oder HYPERTERM.
Sie haben oft einen sehr unterschiedlichen Funktionsumfang. Aber allen
Programmen ist eines gemeinsam: Sie verbinden Computer über die serielle
Schnittstelle; direkt oder mit Hilfe eines Modem über die Telefonleitung.
Der an anderer Stelle dieser Webseite beschriebene Minicomputer
C-Control kann über seine serielle Schnittstelle Zeichen ausgeben, welche
dann mit einem Terminalprogramm angezeigt werden. Es gibt, besonders in
der Industrie, viele Computer die weder Tastatur noch Bildschirm haben
und nur über ein Terminal zu bedienen sind. Die Einstellungen und die
Bedienung einer Terminalemulation sind für Windows- und WWW- Clicker oft
verwirrend. Anhand des Programms HYPERTERM unter Windows 98 beschreibe
ich hier die grundlegende Vorgehensweise um zwei Computer direkt über
die serielle Schnittstelle (COM) zu verbinden, damit Daten ausgetauscht
werden können. Man kann grundsätzlich jedes Terminalprogramm benutzen.
Dazu muß man nur herausfinden, wie die einzelnen Einstellungen vorzunehmen
sind.
Ich benutze in diesem Beispiel einen PC mit freier COM2
und ein Notebook mit freier COM1. Beide Computer werden an den freien
COM durch ein NULLMODEM Kabel verbunden. Es gibt im Prinzip zwei Sorten
von seriellen Kabeln für die COM am PC: NULLMODEM und MODEM.
Ein Modemkabel verbindet ein Modem mit der COM. Die Anschlüsse sind 1:1
durchgeschaltet.
Ein Nullmodemkabel verbindet zwei COM miteinander und deshalb werden die
Anschlüsse gekreuzt, damit die Sendeleitung mit der Empfängerleitung verbunden
wird.
Ich benutze grundsätzlich handelsübliche vergossene Kabel. Ein Set enthält
das 3m lange Kabel mit 9poliger SubD sowie zwei Steckerwandler von 9polig
auf 25polig SubD.
Man kann die Kabel natürlich selbst herstellen. Die Erfahrung zeigt aber,
das das Kabel oft die Ursache für Probleme ist. Ein gutes Kabel kann etwa
25m lang sein. Eine PC COM Schnittstelle hat neben Sender (TX), Empfänger
(RX) und Erde (GND) noch einige andere Signalleitungen. Die Nutzung dieser
Leitungen sind je nach Anwendung unterschiedlich. In unserem Fall werden
diese Leitungen zur Flußsteuerung benutzt um die höchste Übertragungsgeschwindigkeit
zu erreichen. Deshalb muß beim Kauf eines Kabels darauf geachtet
werden, das alle Anschlüsse verkabelt sind.
Im Gegensatz dazu braucht man für die Verbindung mit einer C-Control
tatsächlich nur drei Leitungen: RX, TX, GND.
Unter Windows 98 heißt die mitgelieferte Terminalemulation
HYPERTERM. Gestartet wir das Programm mit <Start><Ausführen><hypertrm>.
Das erscheinende Fenster schließen wir mit <Abbrechen>. Jetzt haben
wir ein leeres Fenster mit einem blinkenden Cursor. Unter <Datei><Eigenschaften>
stellen wir folgendes ein:
Bild1

Bild2

Mit <Datei><Speichern> werden unsere Einstellungen
unter einem Namen (z.B.: probe) gespeichert. Danach schließen wir das
Programm Hyperterm. Wichtig: Die Einstellungen auf beiden Computern müssen
gleich sein mit Ausnahme der gewählten COM. Dort muß natürlich immer die
benutzte Schnittstelle angegeben werden. Mit <Start><Ausführen><hypertrm>
starten wir das Programm erneut. Das erscheinende Fenster schließen wir
mit <Abbrechen>. Wir haben wieder unser leeres Fenster mit einem
blinkenden Cursor. Unter <Datei><Öffnen> sollte jetzt unsere
<Probe> zu finden sein. Wenn wir unsere <Probe> auf beiden
Computern geöffnet haben, die Einstellungen richtig sind und das Nullmodemkabel
in Ordnung und an den richtigen COM angeschlossen ist, dann werden Tastatureingaben
an einem Computer am Bildschirm des anderen Computers ausgegeben. Hat
man es bis hier geschafft, kann man sich mit den Eigenheiten von Terminalemulationen
vertraut machen. Die vorgenommenen Einstellungen bilden die Grundlage
und jedes Terminalprogramm bietet an sie zu ändern. Wo und wie muß man
bei den verschiedenen Programmen selbst herausfinden. Besonders wichtig
ist, das die Einstellungen auf den verbundenen Computern gleich sind.
Wenn auf einem Computer Einstellungen nicht möglich sind (z.B: Baudrate
nur 300) muß man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Im
folgenden gibt es einige Hinweise zu den weiteren Einstellmöglichkeiten.
Diese Hinweise beziehen sich auf Hyperterm treffen aber meistens auch
auf andere Terminalprogramme zu. Viele Eigenheiten sind historisch entstanden
und man kann darüber ganze Bücher schreiben.
Das ist, was wir gerade machen. Man tippt auf der Tastatur
und der Bildschirm des anderen Rechners zeigt es an. Auf dem eigenen Bildschirm
ist nichts zu sehen ;-(. Die ENTER Taste bringt den Cursor nur an den
Zeilenanfang. Unter <Datei><Eigenschaften><Einstellungen><ASCII-Konfiguration>
einstellen:
Bild3

Die Umlaute werden nicht richtig angezeigt. Unter <Ansicht><Schriftart>
einstellen:
Bild4

Der Zeichenpuffer von Terminalemulationen ist begrenzt.
Wird der Speicherbereich überschritten, geht was zuerst empfangen wurde
verloren. Deshalb bietet Hyperterm an, die Zeichen in eine Datei zu schreiben
oder am Drucker auszugeben. Die Einstellungen findet man unter <Übertragung>.
Dort kann man auch ganze Textdateien versenden. Diese werden dann komplett
am Bildschirm des Empfangscomputers ausgegeben. Bei all diesen Übertragungen
sollte es sich um reinen Text handeln. Enthält der Text Steuerzeichen
kann es zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen. Das ist auch abhängig
von der Art der Emulation. Wir haben bisher die automatische Erkennung
genutzt und Hyperterm hat sich für ANSI entschieden.
Bild5

Wenn möglich sollte man diese Einstellung beibehalten.
Sonst muß man sich wieder auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen.
Kopieren und Einfügen geht gut über das Menü oder die rechte Maustaste.
Die Windows Tastaturbefehle haben keine Bedeutung oder zeigen unerwartete
Reaktionen. Wie Bild5 zeigt, sind die Tastaturbefehle dem Terminal zugeordnet
und haben andere Funktionen. Das ist historisch bedingt.
Will man eine Datei unverändert übertragen ist der Textmodus
ungeeignet. Text ist nur eine Teilmenge eines 8Bit Datenwortes. In einer
beliebigen Datei können aber alle Zeichen (256) eines 8Bit Datenwortes
vorkommen. Es sind also z.B. auch Steuerzeichen enthalten die ein Terminal
zur Textübertragung nutzt und andere Zeichen mit denen ein Terminalprogramm
überhaupt nichts anfangen kann. Wenn man z.B versucht eine *.EXE
Datei an ein Terminalprogramm direkt zu übertragen wird man im besten
Fall Zeichensalat und im schlechtesten Fall einen Programmabsturz erleben.
Mit den Funktionen <Datei senden> und <Datei
empfangen> im Menü <Übertragung> kann man Dateien im Original
übertragen. Dazu muß ein Computer auf senden und der andere Computer auf
empfangen eingestellt werden. Man stellt den Empfänger zuerst auf <Datei
empfangen> und gibt den Speicherpfad an. Dann wird der Sender auf <Datei
senden> eingestellt, die zu sendende Datei ausgewählt und beide Prozesse
werden gestartet. Dabei wird ein Übertragungsprotokoll verwendet das auf
beiden Rechnern identisch sein muß. Hyperterm bietet voreingestellt <Zmodem>
an.
Bei der Auswahl der Protokolle braucht es etwas Erfahrung. Wenn es zu
unerwarteten Abbrüchen kommt sollte man ein anderes Protokoll verwenden.
Für schwierige Fälle eignet sich das Protokoll <Kermit>. Allerdings
ist die Übertragung langsam. Den Übertragungsvorgang kann man am Bildschirm
verfolgen.
Mit diesem Verfahren kann man Dateien beliebiger Größe ohne Zusatzsoftware,
Netzwerk, Disketten, nur mit einem einfachen Kabel zwischen beliebigen
Computern austauschen. Um die Übertragung zu beschleunigen kann die Baudrate
der COM heraufgesetzt werden. Zusätzlich stellt man bei <Protokoll>
<Hardware> ein (Bild2). Die Bitrate kann bei heutigem Standard PC
auf 115200 eingestellt werden. Mit diesem Wert benötigt eine 10Mbyte große
Datei etwa 11 Minuten. Wichtig ist wieder das beide Computer und Terminalprogramme
auf den gleichen Wert eingestellt sind.
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